Das 12. Schweizer Betonforum vom 13. Juni 2018 in Zürich wartete mit kontroversen Beiträgen zum Thema «Betonvorfabrikation – Bauweise der Zukunft» auf. Einig waren sich die Referenten, dass die Schweiz die Zeit normierter Nachkriegsarchitektur erfolgreich hinter sich gelassen hat. Welchen Raum die Vorfabrikation in der Planung einnehmen soll, darin schieden sich die Geister. Erfahren Sie in der folgenden Berichterstattung mehr zu den einzelnen Referaten:

Sinfonie der Fuge und Ballett der Roboter

Joseph Schwartz, ETH Zürich, eröffnete die Veranstaltung mit einem kritischen Blick auf die Anfänge der Vorfabrikation in der Schweiz. Probleme beim Zusammensetzen brachten die Branche in Verruf. Ein Blick auf Neubauten in den Nullerjahren lässt die Vorfabrikation in der Schweiz jedoch in völlig neuem Licht erscheinen. Sie bietet ein riesiges Potential an Innovationen.

Referate

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Vorfabrikation

Dr. David Fernández-Ordóñez
Generalsekretär International Federation for Structural Concrete

Für David Fernández-Ordóñez, Fédération internationale du Béton (Fib), liegt die Zukunft der Vorfabrikation in der «Massen-Individualisierung». Integration der Haustechnik, thermische Bauteilaktivierung, Energiesparen oder der Einsatz sehr tragfähiger Materialien wie Ultra High Performance Fibre Reinforced Concrete (UHPFRC) und UHPFRC mit Carbonbeton sind die nächsten Schritte in der Industrialisierung.

Spielräume der Vorfabrikation

Bruno Krucker, Dipl. Architekt ETH/BSA,
Büro Krucker Architekten AG, Zürich

Von einer «Sinfonie der Fuge» sprach gar Bruno Krucker, Büro Krucker. Das Projekt Stöckenacker in Zürich, das 2002 realisiert wurde, zeigt einen beinahe leidenschaftlichen Umgang mit der Fuge. «Vorfabrikation braucht Ausnahmen», sagte Krucker. Ein Gebäude muss seine Schönheit im Alltag zeigen, durch organische Knicke, Schatten und Relief.

Wohnhochhaus Zölly, Zürich

Markus Peter, Dipl. Architekt ETH/BSA

Meili & Peter Architekten AG, Zürich

Bei der Planung des Wohnhochhauses Zölly, Zürich, war Vorfabrikation nie ausgeschlossen, aber auch nur eine Möglichkeit unter mehreren. Das Team um Markus Peter, Meili, Peter & Partner Architekten, plante über 900 verschiedene Betonfertigteile für die tragende Fassade des Hochhauses. «Man muss die Spielräume kennen», sagt Markus Peter, «unser Spielraum war das Relief.»

Betonfertigteile als Notwendigkeit

Thomas Lothenbach, Dipl. Architekt ETH,
Scheitlin Syfrig Architekten AG, Luzern

An Betonfertigteilen führt kein Weg vorbei. Paradebeispiel ist das Roche Personalrestaurant in Rotkreuz, dessen Fassadenbild auf einer Molekülstruktur beruht. «Die Vorteile der Vorfabrikation liegen in der Geschwindigkeit und der Masshaltigkeit», so Thomas Lothenbach, Scheitlin Syfrig Architekten.

Innovation als Wettbewerbsvorteil

Ernst Gisin, Vorsitzender der Geschäftsleitung

Stahlton Bauteile AG, Frick

Ernst Gisin, Stahlton Bauteile AG, mahnte die fehlende Innovationsdynamik der Schweizer Baubranche an. Das Unternehmen hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1945 mittels Innovationen schon mehrmals neu erfunden. Gysin sieht die Digitalisierung als Chance in der Vorfabrikation. Zusammen mit der ETH Zürich dbt arbeitet Stahlton daran, beliebige Formen durch Digitaldruck zu produzieren.

Digitalisierung von Planung bis Ausführung

Konrad Graser, Lead Architect,

DFAB HOUSE, NEST Gebäude, Dübendorf

Konrad Graser, DFAB HOUSE, möchte mit dem NEST der Empa für einen Innovationsschub sorgen. Er sieht zwei Herausforderungen: Die digitale Vor-Ort-Fabrikation mit dem Zusammenspiel von Mensch und Maschine und die massgeschneiderte, digitale Vorfabrikation. Schalungsfreies Bauen, Materialökonomie, neue Schaltechniken, geometrische Freiheiten oder Tragwerksoptimierung lauten weitere Spielfelder.