Die Vorträge zum Thema «Im Spannungsbogen zwischen Kreativität und Tragwerkssicherheit» am 13. Schweizer Betonforum vom 5. Juni 2019 in Zürich liessen einen aufhorchen. Die Referenten zeigten einmal mehr, welch kreativer Werkstoff Beton sein kann, vorausgesetzt, man wagt es, Normen auszuloten, die eigene Disziplin hinten anzustellen oder den Blick in die Vergangenheit zu richten. Erfahren Sie in der folgenden Berichterstattung mehr zu den einzelnen Referaten:

Gestrickt und geschwungen - Beton zeigt seine leichten Seiten


Prof. Joseph Schwarz, ETH Zürich, moderierte die Veranstaltung. Das Thema des Betonforums beschäftigt ihn als Bauingenieur stark. In der Zusammenarbeit mit dem Architekten braucht es immer Kreativität und Konzeptarbeit, um die optimale Form und spannende Lösungen zu finden, wobei «das Ziel das Werk ist und nicht das Einhalten von Regeln».

Referate

Masswerk von Raum und Tragstruktur für das St. Galler Stickereiquartier

Corinna Menn, Dipl. Arch. ETH/SIA

Corinna Menn GmbH, Chur

Corinna Menn, Büro Menn, «operierte durchaus an den Grenzen der bestehenden Normen» beim Bürogebäude Unterstrasse im St. Galler Stickereiquartier. Das Thema eines hallenartigen Raumes wurde zur Leitidee, die auch noch an die baustrukturelle Tradition des Ortes anknüpfen sollte. Im Dialog mit dem Bauingenieur entstand eine erste Annäherung an das Thema der Betonfaltendecken.



Realisierung von Bauherren- und Architektenträumen

Patrick Gartmann, Dipl. Arch. & Dipl. Ing. ETH/SIA
Ferrari Gartmann AG, Chur

Das neue Swiss-Life-Stadion der Architekten Caruso St John und Patrick Gartmann, Büro Ferrari Gartmann, spielt mit textiler Formensprache.Die Stadionfassade mit den kreisrunden Fenstern nimmt die Idee eines Bühnenvorhangs auf. Spannend ist hier vor allem aber etwas anderes: der Wechsel von einer ursprünglich im Wettbewerb noch vorgehängten zu einer tragenden Betonfassade. 

Bauen mit vorgespannten Carbonplatten – einem frei formbaren Halbfabrikat für den tragenden Betonbau

Josef Kurath, Dipl. Ing. ETH Zürich

Staubli, Kurath & Partner AG, Zürich

Das neue Swiss-Life-Stadion der Architekten Caruso St John und Patrick Gartmann, Büro Ferrari Gartmann, spielt mit textiler Formensprache.Die Stadionfassade mit den kreisrunden Fenstern nimmt die Idee eines Bühnenvorhangs auf. Spannend ist hier vor allem aber etwas anderes: der Wechsel von einer ursprünglich im Wettbewerb noch vorgehängten zu einer tragenden Betonfassade. 

Paudèze bridges: clever strengthening with UHPFRC

Philippe Menétrey, Dr. Dipl. Ing. EPFL
INGPHI, Lausanne

Geradezu filigran wirkt die Sanierung der auf dem Gemeindegebiet von Pully und Belmont liegenden Paudèzebrücken der Autobahn N09 durch Dr. Philippe Menétrey, Büro INGPHI. «Unser Ziel war es, die Brücke zu verstärken, ohne den Charakter zu verändern», sagte Philippe Menétrey. Vorfabrizierte Streben aus Ultrahochleistungs-Faserbeton (UHFB) schultern das zusätzliche Gewicht der neuen Jersey Wand und Lärmschutzwand.

Gewölbt und gestrickt – Die Eleganz formoptimierter Tragstrukturen

Dr. sc. ETH, Dipl.-Ing. Matthias Rippmann

ITA, ETH Zürich

Dr. Matthias Rippmann setzt beim Tragwerksentwurf auf innovative Konstruktionen, alternative Materialien und einen geringeren Verbrauch. Ein nachhaltiger Ansatz ist das geschwungene Betondach für das HiLo-Gebäude auf der NEST-Plattform in Dübendorf oder das ultraleichte Schalungsgewebe für das Projekt KnitCandela in Mexiko. Die komplexe Geometrie des Gewebes erstellte eine Industriestrickmaschine. Zu den Arbeiten der BRG gehören:  Armadillo-Gewölbe, das Betondach für das HiLo-Gebäude auf der NEST-Plattform oder das ultraleichte Schalungssystem aus Stickgewebe, das für das Projekt KnitCandela zum Einsatz kam.

Betonung auf Beton

Peter Haimerl, Dipl. Ing. Architekt BDA

Peter Haimerl Architektur, München

Dem Erhalt alter Bausubstanz in den Dörfern seiner Heimat hat sich Peter Haimerl, Büro Peter Haimerl Architekten, verschrieben. In der strukturschwachen Region Bayerischer Wald verhalf er dem Dorf Blaibach zu einem Konzerthaus, einer mehrfach preisgekrönten «über die Hangkante gekippten Schuhschachtel». Das «Low-Budget»-Objekt wiederbelebte den historischen Ortskern.