Betonskulptur aus einer 3D-gestrickten Schalung

Ein per Knopfdruck gestricktes Textil dient als formgebendes Element für geschwungene Betonschalen. Mit dieser neuen Technologie wurde für eine Ausstellung eine fünf Tonnen schwere Betonstruktur geschaffen. KnitCandela wurde im Museo Universitario Arte Contemporáneo (MUAC) in Mexiko City im Rahmen der ersten Ausstellung von Zaha Hadid Architects in Lateinamerika gebaut und ist eine Hommage an den berühmten spanisch-mexikanischen Betonschalenvirtuosen Félix Candela.

Das Herz der vier Meter hohen, geschwungenen Betonkonstruktion ist gestrickt. Als Schalung dient dem Bauwerk einzig ein mit Stahlseilen gespanntes Textil. Am Prototypen mit dem Namen KnitCandela kommt die Technologie erstmals in architektonischem Massstab zum Einsatz. Der Bau ist eine Hommage an den spanisch-mexikanischen Architekten Felix Candela (1910-1997) und ein Gemeinschaftswerk der ETH Zürich mit Zaha Hadid Architects Computation and Design Group (ZHACODE) und Architecture Extrapolated (R-Ex).


Die dynamische Geometrie der Muschel ist inspiriert von den fliessenden Formen der traditionellen und farbenfrohen Kleidung aus Jalisco in Mexiko. Der Spitzname für das Projekt war „Sarape", das ist ein Schal oder Poncho mit Streifenmuster. Die Form ist auch eine Hommage an Candelas berühmtes Restaurant in Xochimilco, eine Bauart, die er in mehreren Folgeprojekten wiederholte.

Während Candela sich auf die Kombination hyperbolischer Paraboloidoberflächen („Hypars") stützte, um wiederverwendbare Schalungen herzustellen und so den Bauabfall zu reduzieren, ermöglicht KnitCrete die Realisierung einer viel breiteren Palette an antiklastischen Geometrien. Mit diesem Seilnetz- und Gewebeschalungssystem können nun ausdrucksstarke, frei verformte Betonflächen effizient und ohne komplexe Schalungen hergestellt werden. Die dünne, doppelt gebogene Betonschale von KnitCandela mit einer Fläche von fast 50 m2 und einem Gewicht von mehr als 5 Tonnen wurde auf eine KnitCrete-Schalung von nur 55 kg aufgebracht. Die fertig gestrickten Stoffbahnen wurden in zwei Reisetaschen nach Mexiko-Stadt transportiert – als normales Aufgabegepäck. Die Strickware ist nur 25 Kilogramm schwer, die Stahlseile etwa 30 Kilogramm.

Zusammenarbeit
Die Realisierung von KnitCandela, die von mehreren Teams in Europa und Mexiko entworfen und gebaut wurde, ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit, bei der das gemeinsame Know-how in den Bereichen Computerentwurf, Engineering und Fertigung aller Beteiligten genutzt wurde. Der architektonische Entwurf ist das jüngste Ergebnis der sich entwickelnden Suche der Computational Design Group of Zaha Hadid Architects (ZHCODE) nach Entwürfen, die strukturelle und konstruktive Merkmale nutzen, um das räumliche Erlebnis zu steigern. Für die Umsetzung brachte die Block Research Group (BRG) der ETH Zürich die KnitCrete-Schalungstechnik ein und entwickelte das Tragwerksplanungs- und Bausystem. Architecture Extrapolated (R-Ex) leitete die Ausführung des Projekts vor Ort in Mexiko-Stadt im Rahmen des kontinuierlichen Engagements für die Digitalisierung
des Baugewerbes in Mexiko.

Die Realisierung des Projekts innerhalb sehr enger Zeit-, Raum- und Budgetvorgaben ist somit ein Beweis für die schnelle Entwicklung und Anpassung der digitalen Konstruktion und Fertigung an die Herausforderungen der Bauwirtschaft. Dieses Projekt hebt einen sozialen Aspekt der Kombination von
digitaler Fertigung und Handwerk und Bauwesen hervor: die Bereitstellung sinnvoller und herausfordernder Aufgaben für Bauherren, die digitale Verbesserung ihrer handwerklichen Fähigkeiten und deren positive Auswirkungen auf ihre beruflichen Perspektiven.