Die visuell prägenden, umlaufenden Balkone zeigen die Multifunktionalität einzelner Bauteile exemplarisch auf. (Holcim Foundation)

Der Neubau der IUCN setzt einen Meilenstein in Bezug auf eine ökonomische und ökologische Bauweise. Dafür gingen Architekten und Ingenieure unkonventionelle Wege. Sandra Aeberhard

Architekten agps architecture

Bauherrschaft

IUCN, International Union for Conservation of Nature

Totalunternehmung

Karl Steiner SA
Tragwerk INGENI SA
Gebäudetechnik

Amstein + Walthert SA

Landschaftsarchitekten

Nipkow Landschaftsarchitektur

Mit einem Erweiterungsbau hat die IUCN (International Union for Conservation of Nature) an ihrem Hauptsitz in der Waadtländer Seegemeinde Gland Massstäbe für das nachhaltige Bauen gesetzt. Damit wird die global tätige Dachorganisation der Naturschutzorganisationen ihrer Aufgabe gerecht, die seit der Gründung 1948 darin besteht, sich weltweit für die Respektierung der Integrität und Diversität der Natur durch die Menschen einzusetzen.

Interdisziplinäre Teamarbeit 
Aus der Mission der IUCN abgeleitet, entstand eine Strategie, die drei Grundprinzipien folgte: Die Schonung der natürlichen Ressourcen mit Fokus auf Energie und Materialität, die Ökonomie der Mittel in finanzieller Hinsicht und als philosophischer Ansatz beim architektonischen Entwurf sowie ein gemeinschaftlicher Entwicklungsprozess. All dem kam das beauftragte Büro agps architecture Zürich nach, indem es in einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit Gebäudetechnikingenieuren, Bauingenieuren und Holzbauern ein innovatives architektonisches Konzept mit wegweisenden Technologien und einem wohlüberlegten Einsatz der Baustoffe kombinierte. 

Horizontale Erweiterung 
Da das bestehende Gebäude nicht für eine Aufstockung ausgelegt war, blieb als einzige Option die horizontale Erweiterung zur Seeseite. Der in seiner Grösse mit dem Bestandesbau vergleichbare Neubau bietet auf 3000 m2 Bürofläche Platz für 100 bis 130 Arbeitsplätze. Verbindendes Element zwischen den beiden optisch sehr unterschiedlichen Gebäuden ist der zentrale dreigeschossige Eingangsturm, auf dem ein beide Gebäudeflügel überspannendes Penthouse, der «Holcim Think Tank», als Sitzungszimmer und Raum für Empfänge und Events dient. Um den Dialog mit der Öffentlichkeit zu intensivieren, integriert die Anlage ein Besucherzentrum, eine Cafeteria und einen öffentlichen Garten. 

Mehrfach genutzte Bauteile 
Die Hybrid-Konstruktion aus einem betonierten Stützen-Platten-Tragwerk und einer thermischen Gebäudehülle aus Holz erlaubt eine hohe Nutzungsflexibilität. Viele Bauteile lassen sich auf mehrfache Weise nutzen und erfüllen gleichzeitig funktionale, ökologische, ökonomische wie auch ästhetische Kriterien. 

CO2-reduzierter Beton
Beton nimmt im gesamten Bauwerk eine zentrale Rolle ein. Er bildet nicht nur die Tragstruktur, sondern ist auch thermische Masse, Dämmung und sichtbare Oberfläche, die sowohl die äussere Erscheinung wie auch den Innenraum prägt. Um die Primärstruktur möglichst ökologisch zu realisieren, arbeiteten Architekten und Ingenieure eng mit Holcim zusammen. Zu einem grossen Teil wurde CO2-reduzierter und aus lokalen Quellen stammender Beton verwendet, bei dem der in der Herstellung energie- und CO2-intensive Zement teilweise durch hochwertigen Kalkstein ersetzt wird. Der Recyclingbeton- Anteil macht rund 40 % aus.

Faktor Beton

Maximal reduziert

  • Die visuell prägenden, umlaufenden Balkone zeigen die Multifunktionalität einzelner Bauteile exemplarisch auf. (Holcim Foundation)

  • Der Eingangsbereich mit dem aufgesetzten Penthouse verbindet den bestehenden mit dem neuen Gebäudeflügel. (Holcim Foundation)

  • Beton zeigt sich nicht nur an der Gebäudehülle, sondern auch im Innern. In den Deckenpaneelen sind Funktionen für Akustik, Heizung, Kühlung, Abluft, Beleuchtung sowie CO2-Sensoren integriert. (Holcim Foundation)

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