Der bescheidene Zugang lässt die unterirdische Welt unter dem engen Hof kaum erahnen. Hoch oben schwingt sich eine historische Passerelle vom Dachgeschoss der ehemaligen Polyklinik über den ehemaligen Steinbruch zum Gelände des Universitätsspitals.

Auditorien an der Rue du Dr César-Roux, Lausanne

Architekten Galletti & Matter, Lausanne
Bauingenieure

MP Ingénieurs Conseils, Crissier

Bauzeit 2014–2017
Auftraggeber Canton de Vaud
Akkustik

André Lappert, d’Silence acoustique, Lausanne

Zwischen die Keller der ehemaligen Polyklinik und den Felsen unter dem Champ de l’Air wurde eine unterirdische, mineralische Welt mit zwei Hörsälen und zugehörigen Foyers eingepasst. Bereits beim Umbau des Gebäudes an der Rue du Dr César-Roux in eine Schule für Gesundheitsberufe wurde diese Möglichkeit ins Auge gefasst. Realisiert wurde sie aber im Dienst der Universität, die damit in unmittelbarer Nähe zum Kantonsspital CHUV, das hoch oben auf dem Felsen thront, Räume für das Medizin- und Biologiestudium erhielt. Das ist umso sinnvoller, als mittelfristig der ganze Gebäudekomplex vom CHUV übernommen werden soll. Die beengten Verhältnisse, aber auch das Kostendach zwangen dazu, möglichst einfach zu konstruieren und auf alle nicht unbedingt nötigen Schichten zu verzichten. Die Architektur wird ganz vom Rohbau geprägt und gewinnt aus diesem eine grosse Ausdruckskraft. Nichtsdestotrotz erhielten die Foyers, die Auditorien und der Zugang je einen eigenen Charakter, sodass auf engstem Raum eine erlebnisreiche Raumfolge entstand, die durch die mineralische Materialität, das Kunstlicht und die spürbare Lage im Untergrund zusammengehalten wird. Der Eingang im engen Hinterhof gleicht einem Infrastruktur- Pavillon, der sich an die mächtige, von verschiedenen Stützmauern und Verankerungen stabilisierte Wand des ehemaligen Steinbruchs schmiegt. Ihr entlang führt der Weg in die Tiefe und inszeniert dabei die Fuge zwischen Fels und Gebäude. Alte und neue Ankerköpfe zeugen von der Anstrengung der Ingenieure, die spektakuläre Baugrube zu sichern. Der ausgehöhlte Fels und der virtuos geformte, nicht minder kräftige Beton werden von immer spärlicher werdendem Tageslicht gestreift, das von Kunstlicht ergänzt und zunehmend ersetzt wird. Man riecht die kühle Feuchtigkeit des Untergrunds. Die Auditorien dagegen sind als in sich ruhende, in Beton gegossene Akustik-Gefässe geformt. Leicht schräge und gekrümmte Flächen mit unterschiedlichen Texturen modulieren den Schall, sodass die Verständlichkeit selbst ohne Verstärkung und beim Sprechen gegen die Wand gut bleibt. Die Plastizität und die gedrungene Proportion dieser Räume lassen an eine Grotte denken. Dazu bilden die hohen, seitlichen Pfeilerhallen einen wirkungsvollen Kontrast. Kräftige Grüntöne ergänzen hier die mineralische Welt des Untergrunds um eine spielerische Note.

www.galletti-matter.ch

Fragen und Antworten zur Betonqualität: PDF

  • Der Zugang zu den Auditorien liegt in der Fuge zwischen Fels und Gebäude und dient zugleich als Pufferraum. Die Anstrengung, die Natur zu bändigen, wird hier deutlich spürbar.

  • Die Rohbau-Ästhetik nutzt lustvoll die vielfältigen Möglichkeiten des Betons zur plastischen Gestaltung und zur Differenzierung der Oberflächen. Gegossener Kunststein, gewachsener Fels und alte, geschichtete Mauern stehen sich in unterschiedlichen Konstellationen gegenüber.

  • Die gewellte Decke der Säle dient der Akustik, integriert Unterzüge und Lüftungskanäle und streut das Kunstlicht.